Modellunternehmen · Geld, Geldpolitik und Wirtschaftspolitik
Polyphon GmbH
Hersteller patentierter Horn-Lautsprecher aus Hamburg – Leitbeispiel für den Grundkurs Volkswirtschaftslehre der Jahrgangsstufe 12.
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2016 Gründung in Hamburg-Altona
42 Mitarbeiter
1 Weltweit einziger Anbieter
Patent beim DPMA angemeldet
Polyphon ein Jahr später
Ihr kennt die Polyphon GmbH bereits aus der Jahrgangsstufe 11: Das Hamburger Unternehmen stellt patentierte Horn-Lautsprecher für vermögende Privatkundschaft her und ist damit weltweit einzige Anbieterin dieser Bauart.
Seitdem ist einige Zeit vergangen: Der Kredit für die zweite Fertigungshalle wurde beantragt, die ersten Exportgespräche mit Kundschaft in den USA, China und den Golfstaaten laufen, und die Rohstoffpreise für Tropenholz, Kupferdraht und Magnete sind spürbar gestiegen. Damit rücken in diesem Schuljahr Themen in den Vordergrund, die Polyphon bislang nur am Rande betrafen: der Wert des Geldes, die Rolle der Europäischen Zentralbank und die Frage, wie stark staatliche und europäische Wirtschaftspolitik auf ein einzelnes Unternehmen wie Polyphon durchschlagen.
Vorlagen für eure Ausarbeitungen
Für die Aufgaben, bei denen ihr ein Dokument, eine Präsentation oder Rollenkarten für ein Rollenspiel bzw. eine Simulation erstellen sollt, findet ihr hier passende Vorlagen zum Herunterladen. Bei jedem Thema wird zusätzlich angezeigt, welche Vorlage dort passt.
DOCX
Vorlage: Schriftliche Ausarbeitung
Strukturierte Word-Vorlage für schriftliche Analysen, Tabellen und Stellungnahmen.
Passend zu: 1.1, 1.2, 1.3, 1.4, 2.1, 2.2, 2.3, 3.1, 3.2, 3.3, 3.4, 3.5
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PPTX
Vorlage: Präsentation
PowerPoint-Grundgerüst mit Titel-, Gliederungs-, Inhalts- und Fazitfolie.
Passend zu: 1.4, 2.1, 3.4
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Vorlage: Rollenkarten
Vier Rollenkarten für Rollenspiele, Podiumsdiskussionen, Fishbowl-Debatten und Simulationen (z. B. einer EZB-Ratssitzung).
Passend zu: 2.2, 3.2, 3.3, 3.4
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1. Geld und Geldwert
1.1 Geldfunktionen, Geldarten, Geldschöpfung
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Einstiegssituation
In der Ausbildungsabteilung von Polyphon diskutieren zwei neue Auszubildende: Der eine erhält sein erstes Ausbildungsgehalt als Überweisung auf sein Konto und wundert sich, dass er nie 'echtes Geld' in der Hand hält, sondern nur eine Zahl auf dem Bildschirm seiner Banking-App sieht. Die andere entgegnet: 'Ist doch egal, Hauptsache, ich kann damit im Laden bezahlen und weiß, dass es nächsten Monat noch genauso viel wert ist.' Der Ausbilder hört zu und fragt: 'Wisst ihr eigentlich, was Geld als Geld ausmacht - und woher das Geld auf eurem Konto überhaupt kommt?'
Geldschöpfung ist mehr als „Geld drucken" – der Großteil des Geldes entsteht als Buchgeld durch Kreditvergabe der Banken.
Informationen
Geld erleichtert den Austausch von Gütern in einer arbeitsteiligen Wirtschaft wie der von Polyphon: Ohne Geld müsste ein Kunde, der einen Lautsprecher kaufen möchte, ein Gut anbieten, das Polyphon genau im Gegenzug haben möchte (Tauschwirtschaft) - umständlich und ineffizient. Geld übernimmt dabei drei zentrale Funktionen: als Tausch- und Zahlungsmittel (Güter werden gegen Geld statt gegen andere Güter getauscht), als Recheneinheit (Werte verschiedenster Güter, z. B. ein Lautsprecher und eine Maschine, werden über den Preis vergleichbar) und als Wertaufbewahrungsmittel (Geld kann gespart und später verwendet werden, muss dafür aber wertbeständig sein).
Die Erscheinungsformen des Geldes haben sich historisch stark gewandelt: von Warengeld (z. B. Vieh, Muscheln) über Münzen und Papiergeld bis zum heute mengenmäßig dominierenden Buchgeld (Giralgeld), das nur noch als Zahl auf Bankkonten existiert. Man unterscheidet zudem Bargeld und Buchgeld von Zentralbankgeld: Nur Zentralbanken dürfen Bargeld ausgeben und den Geschäftsbanken Zentralbankgeld (Guthaben bei der Zentralbank) zur Verfügung stellen.
Geldschöpfung bezeichnet die Entstehung von neuem Geld. Bei der Buchgeldschöpfung durch Geschäftsbanken entsteht neues Buchgeld, wenn eine Bank einem Kunden einen Kredit gewährt: Der Kreditbetrag wird dem Kundenkonto gutgeschrieben, ohne dass zuvor entsprechende Einlagen vorhanden sein müssen. Begrenzt wird diese Geldschöpfung u. a. durch bankenaufsichtliche Vorschriften (Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen) sowie durch die Geldpolitik der Zentralbank. Zentralbankgeld entsteht, wenn die Zentralbank den Geschäftsbanken Kredite gewährt oder ihnen Vermögenswerte gegen Zentralbankgeld abkauft.
Arbeitsaufträge
Erstellt mithilfe des digitalen Lehrwerks der Bundesbank ein Portfolio (z. B. in OneNote) zu den drei Geldfunktionen und belegt jede Funktion mit einem eigenen Beispiel aus dem Alltag der Polyphon-Auszubildenden. Ordnet die folgenden Zahlungsvorgänge bei Polyphon jeweils der passenden Geldart zu und begründet eure Zuordnung: Barzahlung eines Kunden auf der HiFi-Messe, Überweisung des Ausbildungsgehalts, Kreditlinie der Hausbank für die neue Fertigungshalle. Erklärt in eigenen Worten, wie eine Bank durch Kreditvergabe neues Buchgeld schafft, und benennt zwei Faktoren, die diese Geldschöpfung begrenzen. Diskutiert: Warum wundert sich der Auszubildende aus der Einstiegssituation zu Recht darüber, dass er 'nie echtes Geld in der Hand hält' - und warum ist das trotzdem unproblematisch?
Erwartetes Arbeitsergebnis
Digitales Portfolio (OneNote) + schriftliche Zuordnung und Erklärung
Passende Vorlage(n) für dieses Thema: Vorlage: Schriftliche Ausarbeitung (auch auf der Startseite im Bereich „Vorlagen" zu finden)
Lernkontrolle
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1. Geld und Geldwert
1.2 Binnenwert des Geldes, Preisniveau und -stabilität, Kaufkraft, Messung, reales und nominales Einkommen
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Einstiegssituation
Eine Auszubildende bei Polyphon bekommt zum neuen Ausbildungsjahr 3 % mehr Gehalt und freut sich zunächst. Beim Mittagessen erzählt ihr ein Kollege aus der Fertigung, dass die Preise für seinen wöchentlichen Einkauf im letzten Jahr um 4 % gestiegen seien. Verwirrt fragt sie sich: 'Habe ich jetzt eigentlich mehr Geld zur Verfügung als letztes Jahr - oder weniger?'
Steigt das Preisniveau, sinkt der Binnenwert des Geldes: Für denselben Betrag gibt es weniger Ware.
Informationen
Der Binnenwert des Geldes beschreibt, wie viele Güter man für eine bestimmte Geldsumme im Inland kaufen kann - er ist also der Kehrwert des Preisniveaus. Steigt das allgemeine Preisniveau (Durchschnitt aller Güterpreise einer Volkswirtschaft), sinkt die Kaufkraft des Geldes: Für denselben Geldbetrag erhält man weniger Güter als zuvor.
Preisstabilität bedeutet nicht, dass einzelne Preise unverändert bleiben, sondern dass das allgemeine Preisniveau nur geringfügig steigt. Das Eurosystem strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 % an - nicht 0 %, u. a. weil ein kleiner Sicherheitsabstand vor einer schädlichen Deflation schützt.
Gemessen wird die Preisentwicklung in Deutschland und der EU u. a. über den Verbraucherpreisindex (VPI) bzw. den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI): Ein repräsentativer 'Warenkorb' typischer Konsumausgaben wird über die Zeit hinweg verglichen.
Für die Beurteilung von Einkommensentwicklungen ist die Unterscheidung zwischen nominalem und realem Einkommen zentral: Das nominale Einkommen ist der in Euro ausgezahlte Betrag, das reale Einkommen berücksichtigt zusätzlich die Kaufkraftveränderung durch die Inflation. Steigt das nominale Einkommen langsamer als das Preisniveau, sinkt das reale Einkommen trotz nominaler Gehaltserhöhung.
Arbeitsaufträge
Berechnet für die Auszubildende aus der Einstiegssituation, ob ihr reales Einkommen gestiegen oder gesunken ist, und erklärt euren Rechenweg (Näherung: reale Einkommensänderung ≈ nominale Änderung − Inflationsrate). Recherchiert beim Statistischen Bundesamt oder der Bundesbank die aktuelle Inflationsrate in Deutschland sowie ihre Entwicklung der letzten 12 Monate und stellt sie grafisch dar. Erklärt anhand des digitalen Lehrwerks der Bundesbank, wie der Verbraucherpreisindex ermittelt wird, und diskutiert, warum ein 'Warenkorb' nicht für jeden Haushalt gleich gut passt (z. B. Auszubildende vs. Rentnerhaushalt). Sucht einen aktuellen Zeitungsartikel zum Thema Geldwert/Kaufkraft und fasst die zentrale Aussage in eigenen Worten schriftlich zusammen (Quelle angeben).
Erwartetes Arbeitsergebnis
Schriftliche Berechnung + grafische Darstellung + Zeitungsanalyse
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Lernkontrolle
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1. Geld und Geldwert
1.3 Begriff, Ursachen, Arten und Folgen von Inflation
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Einstiegssituation
Der Einkauf bei Polyphon meldet der Geschäftsführung: Die Preise für Kupferdraht sind binnen eines Jahres um 18 % gestiegen, Tropenholz kostet 12 % mehr als noch vor zwölf Monaten. Gleichzeitig will die Geschäftsführung den Verkaufspreis der Lautsprecher nicht zu oft anpassen, um die vermögende Stammkundschaft nicht zu verärgern. Ein Auszubildender fragt: 'Ist das schon eine Inflation - und woher kommt die eigentlich?'
Steigende Preise für den täglichen Einkauf sind das sichtbarste Zeichen von Inflation.
Informationen
Inflation bezeichnet einen anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft, gemessen an der Veränderungsrate eines Preisindex (z. B. VPI). Eine einmalige Preissteigerung einzelner Güter (wie bei Polyphons Rohstoffen) ist noch keine Inflation im volkswirtschaftlichen Sinne – erst wenn das Preisniveau insgesamt und dauerhaft steigt, spricht man davon. In der wirtschaftswissenschaftlichen Analyse werden dabei vier Ursachengruppen unterschieden, die häufig auch gemeinsam auftreten und sich gegenseitig verstärken können.
Nachfrageinflation entsteht, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage schneller wächst als das gesamtwirtschaftliche Angebot ausgeweitet werden kann ('zu viel Geld jagt zu wenige Güter'). Ausgelöst wird ein solcher Nachfrageüberhang typischerweise durch eine sehr expansive Geldpolitik mit niedrigen Zinsen (billige Kredite regen Konsum und Investitionen an), durch eine expansive Fiskalpolitik mit hohen Staatsausgaben, durch einen Konsumboom privater Haushalte (z. B. nach aufgestauter Nachfrage in einer Krise) oder durch stark steigende Exportnachfrage aus dem Ausland. Da die heimische Produktion kurzfristig kaum beliebig ausgeweitet werden kann, reagieren Unternehmen auf die übermäßige Nachfrage zunächst mit Preiserhöhungen statt mit Mengenausweitung.
Kosten- bzw. Angebotsinflation entsteht demgegenüber auf der Angebotsseite: Steigen die Produktionskosten der Unternehmen – etwa durch teurere Rohstoffe, höhere Energiepreise oder steigende Löhne –, geben viele Unternehmen diese Mehrkosten über höhere Verkaufspreise an ihre Kundschaft weiter, um ihre Gewinnmargen zu halten (wie es auch die Geschäftsführung von Polyphon angesichts steigender Kupfer- und Holzpreise erwägt). Besonders problematisch kann dabei eine sogenannte Lohn-Preis-Spirale werden: Steigende Preise mindern die reale Kaufkraft der Beschäftigten, weshalb Gewerkschaften höhere Löhne fordern; steigen die Löhne stärker als die Produktivität, erhöhen sich dadurch wiederum die Produktionskosten der Unternehmen, die diese erneut über höhere Preise weitergeben – ein sich selbst verstärkender Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist.
Importierte Inflation entsteht, wenn Preissteigerungen aus dem Ausland auf die heimische Volkswirtschaft durchschlagen. Das geschieht zum einen, wenn Rohstoffe oder Vorprodukte auf dem Weltmarkt teurer werden (z. B. bei Öl- oder Energiepreisschocks), zum anderen, wenn sich der Wechselkurs der eigenen Währung abschwächt: Ein schwächerer Euro macht Importe aus Nicht-Euro-Ländern teurer, selbst wenn sich deren Preise in der jeweiligen Landeswährung gar nicht verändert haben. Für ein Unternehmen wie Polyphon, das Tropenholz importiert und Exportpläne in Nicht-Euro-Länder verfolgt, wirkt sich diese Ursache in beide Richtungen aus.
Eine vierte, eher langfristig-strukturelle Erklärung liefert die geldmengenorientierte (monetaristische) Sichtweise: Wächst die insgesamt in einer Volkswirtschaft umlaufende Geldmenge dauerhaft stärker als die reale Wirtschaftsleistung, steht einer gegebenen Gütermenge immer mehr Geld gegenüber – die Preise steigen tendenziell. Aus dieser Perspektive ist eine übermäßige Ausweitung der Geldmenge, etwa durch eine sehr expansive Geldpolitik über einen längeren Zeitraum, eine zentrale Voraussetzung für anhaltend hohe Inflation.
Nach der Stärke unterscheidet man schleichende Inflation (moderate, meist unproblematische Preissteigerung von wenigen Prozent), trabende Inflation (deutlich spürbare, zweistellige Preissteigerung) und Hyperinflation (Preise steigen unkontrolliert und sehr schnell, das Vertrauen in die Währung geht verloren – historisches Beispiel: Deutschland 1923).
Inflation wirkt nicht auf alle Beteiligten einer Volkswirtschaft gleich, sondern verteilt Vermögen und Einkommen um. Zu den eher begünstigten Gruppen zählen Schuldnerinnen und Schuldner: Wer einen Kredit mit fest vereinbarter Rückzahlungssumme aufgenommen hat, profitiert davon, dass diese Summe real – also in ihrer Kaufkraft – im Zeitverlauf sinkt, während Löhne und Preise steigen. Aus demselben Grund gilt oft auch der Staat als Gewinner, da er sich in vielen Ländern hoch verschuldet hat. Auch Besitzerinnen und Besitzer von Sachwerten (z. B. Immobilien, Aktien, Unternehmensanteile) profitieren tendenziell, weil Sachwerte im Unterschied zu Geldvermögen ihren realen Wert eher behalten oder sogar im Preis steigen. Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht – wie Polyphon als Monopolistin – können gestiegene Kosten zudem leichter weitergeben als Unternehmen in stark umkämpften Märkten.
Zu den eher benachteiligten Gruppen zählen Gläubigerinnen und Gläubiger sowie Sparerinnen und Sparer: Wer Geld verleiht oder auf einem gering oder gar nicht verzinsten Konto spart, erhält eine Rückzahlung bzw. verfügt über ein Guthaben, dessen reale Kaufkraft durch die Inflation sinkt. Besonders betroffen sind zudem Beziehende fester, nicht an die Preisentwicklung gekoppelter Einkommen, etwa Rentnerinnen und Rentner mit nicht angepassten Bezügen oder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Löhne nicht im gleichen Tempo wie die Preise steigen. Da einkommensschwächere Haushalte einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Budgets für Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel und Energie ausgeben – Güter, deren Preise in Inflationsphasen oft besonders stark steigen –, trifft Inflation sie tendenziell stärker als einkommensstärkere Haushalte, die einen größeren Anteil ihres Einkommens sparen oder in Sachwerte investieren können.
Darüber hinaus entstehen gesamtwirtschaftliche Folgekosten: Unsichere Preiserwartungen erschweren langfristige Investitions- und Planungsentscheidungen von Unternehmen (auch für Polyphon, etwa bei der Kalkulation der neuen Fertigungshalle), eine hohe heimische Inflation im Vergleich zu wichtigen Handelspartnern kann die preisliche Wettbewerbsfähigkeit im Außenhandel schwächen, und im Extremfall geht bei einer Hyperinflation das Vertrauen in die Währung als Wertaufbewahrungsmittel insgesamt verloren, was den Tausch- und Zahlungsverkehr einer ganzen Volkswirtschaft lahmlegen kann.
Arbeitsaufträge
Ordnet die gestiegenen Rohstoffpreise bei Polyphon einer Inflationsursache zu und begründet, ob es sich eher um eine Nachfrage-, Kosten- oder importierte Inflation handelt. Erstellt in Kleingruppen eine digitale Pinnwand (z. B. mit Padlet oder Taskcards) zu den vier Inflationsursachen und belegt jede Ursache mit einem aktuellen, selbst recherchierten Beispiel. Nehmt an einem Kahoot-Quiz zum Thema Inflation teil bzw. erstellt eigene Kahoot-Fragen zu Begriff, Ursachen und Arten der Inflation. Diskutiert: Sollte Polyphon die gestiegenen Rohstoffkosten vollständig, teilweise oder gar nicht an die Kundschaft weitergeben? Berücksichtigt dabei die Zielgruppe (vermögende Privatkundschaft) und mögliche Folgen für Absatz und Image.
Erwartetes Arbeitsergebnis
Digitales Arbeitsblatt (Padlet/Taskcards) + Kahoot-Quiz + schriftliche Diskussion
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Lernkontrolle
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1. Geld und Geldwert
1.4 Begriff, Ursachen, Arten und Folgen von Deflation
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Einstiegssituation
In einer Wirtschaftskrise bricht die Nachfrage nach Luxusgütern spürbar ein. Bei Polyphon liegen erste unverkaufte Lautsprecher im Lager, und die Geschäftsführung überlegt, die Preise zu senken, um wieder Kundschaft zu gewinnen. Ein Controller warnt jedoch: 'Vorsicht - wenn alle Anbieter jetzt dauerhaft die Preise senken, kann das gefährlicher werden als eine hohe Inflation.' Die Auszubildenden sind überrascht: Sinkende Preise klingen doch eigentlich gut für Kundschaft?
Immer weiter fallende Preise klingen zunächst gut für Kundschaft – bei einer echten Deflation werden sie jedoch zum wirtschaftlichen Problem.
Informationen
Deflation bezeichnet - spiegelbildlich zur Inflation - einen anhaltenden Rückgang des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft. Anders als eine einzelne Preissenkung (die für Verbraucher zunächst vorteilhaft erscheint) betrifft eine echte Deflation das Preisniveau insgesamt und über einen längeren Zeitraum.
Ursachen können u. a. ein starker Nachfragerückgang (z. B. in einer Rezession), ein Überangebot an Gütern oder eine restriktive Geldpolitik sein. Besonders gefährlich ist eine sogenannte Deflationsspirale: Verbraucher verschieben Käufe in der Erwartung weiter fallender Preise, wodurch die Nachfrage weiter sinkt, Unternehmen ihre Preise weiter senken müssen und Investitionen sowie Beschäftigung zurückgehen.
Zu den Folgen zählt insbesondere, dass die reale Schuldenlast von Unternehmen und privaten Haushalten steigt: Löhne und Güterpreise sinken, die Rückzahlungsbeträge für bestehende Kredite bleiben jedoch nominal unverändert - die reale Belastung nimmt also zu. Das kann zu vermehrten Insolvenzen und faulen Krediten in den Bilanzen von Banken führen und die Finanzstabilität gefährden.
Eine Deflation lässt sich geldpolitisch schwerer bekämpfen als eine Inflation: Die Zentralbank kann Leitzinsen zwar unbegrenzt erhöhen, um eine Inflation zu bremsen, sie kann sie aber nicht beliebig weit unter null senken, um eine Deflation zu bekämpfen. Deshalb strebt das Eurosystem bewusst eine leicht positive Inflationsrate von 2 % an, statt echte Preisstabilität von 0 % - als 'Sicherheitsabstand' zur Deflation.
Arbeitsaufträge
Erklärt den Unterschied zwischen einer einzelnen Preissenkung bei Polyphon (z. B. wegen Rabattaktion) und einer echten volkswirtschaftlichen Deflation. Stellt den Ablauf einer Deflationsspirale in einem Schaubild dar und übertragt ihn beispielhaft auf einen möglichen Verlauf bei Polyphon und seinen Zulieferern. Erläutert schriftlich, warum eine Deflation die reale Schuldenlast von Unternehmen erhöht, und erklärt anhand dieses Arguments, warum das Eurosystem eine Inflationsrate von 2 % statt 0 % anstrebt. Recherchiert ein historisches oder aktuelles reales Beispiel für eine Deflation (z. B. Japan seit den 1990er-Jahren) und stellt es der Klasse kurz vor.
Lernkontrolle
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2. Geldpolitik
2.1 Aufbau und Aufgaben von ESZB und EZB, Stellung der Deutschen Bundesbank
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Einstiegssituation
Die Geschäftsführung von Polyphon liest in den Wirtschaftsnachrichten, dass 'der EZB-Rat den Leitzins erneut angehoben hat' - und damit auch der Zins für den geplanten Kredit zur Finanzierung der zweiten Fertigungshalle steigen dürfte. Ein Auszubildender fragt verwirrt: 'Ist das jetzt die EZB, das Eurosystem oder die Bundesbank, die das entscheidet - und was ist da eigentlich der Unterschied?'
Aufbau von ESZB, Eurosystem, EZB und Bundesbank
ESZB (alle EU-Zentralbanken)
Eurosystem (Euro-Länder)
EZB
EZB-Rat entscheidet
über die gemeinsame
Geldpolitik
Nationale Zentralbanken
z. B. Deutsche Bundesbank:
Umsetzung vor Ort,
Bargeld, Bankenaufsicht
ESZB, Eurosystem, EZB und Bundesbank im Überblick: Nur die Euro-Länder bilden das Eurosystem; der EZB-Rat trifft die gemeinsamen geldpolitischen Entscheidungen.
Informationen
Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) umfasst die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten - auch derer, die den Euro (noch) nicht eingeführt haben. Das Eurosystem hingegen besteht nur aus der EZB und den nationalen Zentralbanken der Länder, die den Euro als Währung nutzen; es ist damit der geldpolitisch entscheidende Verbund innerhalb des ESZB.
Oberstes Entscheidungsgremium des Eurosystems ist der EZB-Rat, der in der Regel alle sechs Wochen über die Geldpolitik berät und die Leitzinsen festlegt. Er setzt sich aus den Mitgliedern des Direktoriums der EZB sowie den Präsidentinnen und Präsidenten der nationalen Zentralbanken der Euro-Länder zusammen.
Die Deutsche Bundesbank ist die nationale Zentralbank Deutschlands und Teil des Eurosystems. Sie setzt die gemeinsame Geldpolitik des Eurosystems in Deutschland um, sorgt für die Bargeldversorgung, überwacht Zahlungsverkehrssysteme und wirkt an der Bankenaufsicht mit. Geldpolitische Entscheidungen selbst trifft nicht mehr die Bundesbank allein, sondern der EZB-Rat für den gesamten Euroraum.
Die Unabhängigkeit des Eurosystems von Politik und Regierungen soll sicherstellen, dass geldpolitische Entscheidungen sich ausschließlich an der Preisstabilität orientieren und nicht kurzfristigen politischen Interessen folgen. Im Gegenzug ist das Eurosystem zu Transparenz und Rechenschaft verpflichtet, u. a. gegenüber dem Europäischen Parlament.
Arbeitsaufträge
Erstellt mithilfe des digitalen Lehrwerks der Bundesbank ein Schaubild, das ESZB, Eurosystem, EZB und Bundesbank sowie ihr Verhältnis zueinander übersichtlich darstellt. Erklärt schriftlich, welche Aufgaben die Deutsche Bundesbank heute noch eigenständig wahrnimmt und welche Entscheidungen beim EZB-Rat für den gesamten Euroraum liegen. Bereitet in Kleingruppen einen Kurzvortrag zu einem der folgenden Themen vor: Zusammensetzung des EZB-Rats, Aufgaben des Eurosystems, Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank. Präsentiert euren Vortrag mit passenden Medien vor der Klasse. Diskutiert: Warum könnte es für Polyphon (und andere Unternehmen) wichtig sein, dass geldpolitische Entscheidungen unabhängig von tagespolitischen Interessen getroffen werden?
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2. Geldpolitik
2.2 Geldpolitische Instrumente, Wirkungsweisen, Transmission, Grenzen der Geldpolitik
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Einstiegssituation
Der EZB-Rat beschließt, den Leitzins zu senken. In den Wirtschaftsnachrichten heißt es, dies solle 'die Kreditvergabe ankurbeln und die Konjunktur stützen'. Die Geschäftsführung von Polyphon fragt sich: Wie genau wirkt sich eine Leitzinsentscheidung der EZB in Frankfurt eigentlich auf den Kredit aus, den Polyphon bei seiner Hamburger Hausbank für die neue Fertigungshalle aufnehmen möchte - und warum dauert es, bis diese Wirkung ankommt?
Informationen
Der Europäischen Zentralbank stehen mehrere geldpolitische Instrumente zur Verfügung, um ihr vorrangiges Ziel der Preisstabilität zu erreichen. Zentral sind die Leitzinsen, zu denen sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank refinanzieren bzw. dort Geld anlegen können (u. a. der Hauptrefinanzierungssatz und der Einlagesatz). Über Offenmarktgeschäfte (z. B. befristete Transaktionen, in Krisenzeiten auch Anleihekaufprogramme) steuert das Eurosystem zudem die Liquidität im Bankensystem. Die Mindestreservepflicht verlangt von Banken, einen bestimmten Anteil ihrer Einlagen bei der Zentralbank zu halten.
Die Wirkung dieser Instrumente auf die Gesamtwirtschaft erfolgt über den sogenannten Transmissionsmechanismus: Eine Leitzinsänderung wirkt zunächst auf die Zinsen am Geldmarkt, von dort auf die Kreditzinsen für Unternehmen und Haushalte (Zinskanal), auf Vermögenspreise (z. B. Aktien, Immobilien), auf den Wechselkurs sowie auf die Erwartungen der Marktteilnehmer. Erst über mehrere Zwischenschritte und mit zeitlicher Verzögerung (oft mehrere Quartale bis Jahre) wirkt sich eine geldpolitische Entscheidung auf Investitionen, Konsum, Beschäftigung und letztlich das Preisniveau aus.
Für Unternehmen wie Polyphon bedeutet dies konkret: Senkt die EZB den Leitzins, sinken tendenziell auch die Kreditzinsen der Hausbanken - ein Kredit für die neue Fertigungshalle würde günstiger. Der genaue Zeitpunkt und das Ausmaß dieser Weitergabe hängen jedoch von der jeweiligen Bank, der Wettbewerbssituation und weiteren Faktoren ab.
Die Geldpolitik stößt jedoch an Grenzen: Sie kann z. B. keine strukturellen Probleme einer Volkswirtschaft (etwa fehlende Fachkräfte oder Wettbewerbsfähigkeit einzelner Branchen) lösen, wirkt bei sehr niedrigen Zinsen (Nähe zur Nullzinsgrenze) nur noch eingeschränkt, und ihre Wirkung hängt stark vom Vertrauen der Marktteilnehmer in die Zentralbank ab. Auch regionale Unterschiede innerhalb der Eurozone erschweren eine einheitliche Geldpolitik, die für alle Mitgliedsländer passt.
Arbeitsaufträge
Erstellt mithilfe des digitalen Lehrwerks der Bundesbank eine Übersicht der wichtigsten geldpolitischen Instrumente (Leitzinsen, Offenmarktgeschäfte, Mindestreserve) mit einer kurzen Erklärung zu jedem Instrument. Stellt den Transmissionsmechanismus in einem Wirkungskettendiagramm dar und wendet ihn konkret auf das Beispiel des Polyphon-Kredits für die neue Fertigungshalle an. Simuliert in Kleingruppen eine Sitzung des EZB-Rates: Bereitet je eine Position (z. B. 'für Zinssenkung', 'für Zinserhöhung', 'für unveränderte Zinsen') mit Begründung anhand aktueller Wirtschaftsdaten vor und diskutiert im Rollenspiel. Erläutert schriftlich mindestens zwei Grenzen der Geldpolitik und diskutiert, warum die EZB nicht jedes wirtschaftliche Problem allein lösen kann.
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2. Geldpolitik
2.3 Aktuelle Probleme der Geldpolitik
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Einstiegssituation
Im Wirtschaftsteil einer großen Tageszeitung kritisiert ein Kommentator die aktuelle Geldpolitik der EZB scharf - einem anderen Artikel zufolge loben Ökonominnen und Ökonomen genau dieselbe Entscheidung als 'genau richtig'. Ein Auszubildender bei Polyphon ist verwirrt: 'Wie kann es sein, dass Fachleute die gleiche Entscheidung der EZB so unterschiedlich bewerten?'
Informationen
Die Geldpolitik des Eurosystems steht immer wieder vor neuen, aktuellen Herausforderungen, die in der Fachwelt und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden. Dazu zählen u. a. der richtige Zeitpunkt und das richtige Ausmaß von Zinsänderungen, der Umgang mit krisenbedingten Sondermaßnahmen (z. B. umfangreiche Anleihekaufprogramme in der Finanz- und Staatsschuldenkrise oder der Corona-Pandemie), die Frage der Verteilungswirkungen von Geldpolitik (wer profitiert, wer verliert bei niedrigen bzw. hohen Zinsen) sowie neue Entwicklungen wie Krypto-Assets oder der geplante digitale Euro.
Eine Herausforderung besteht darin, dass geldpolitische Entscheidungen für den gesamten, wirtschaftlich unterschiedlich entwickelten Euroraum einheitlich getroffen werden müssen - eine Zinsentscheidung, die für ein Land angemessen erscheint, kann für ein anderes Land zu niedrig oder zu hoch sein.
Zudem wird diskutiert, wie stark sich die Geldpolitik in ihrer Kommunikation und in ihren Zielen auch mit Themen wie Klimawandel oder sozialer Ungleichheit befassen sollte, ohne dabei ihr eigentliches Mandat - die Sicherung der Preisstabilität - zu gefährden.
Arbeitsaufträge
Recherchiert über euren Schülerzugang zum Handelsblatt (oder eine andere seriöse Wirtschaftszeitung) einen aktuellen Artikel zu einer geldpolitischen Debatte und fasst die zentralen Positionen schriftlich zusammen. Sucht zwei Kommentare/Artikel mit unterschiedlicher Bewertung derselben geldpolitischen Entscheidung und arbeitet heraus, worauf die unterschiedliche Einschätzung jeweils beruht (z. B. unterschiedliche wirtschaftspolitische Grundüberzeugungen, unterschiedliche betroffene Interessengruppen). Bezieht begründet Stellung: Sollte sich die EZB stärker auch um Themen wie Klimaschutz kümmern, oder sollte sie sich strikt auf die Preisstabilität beschränken?
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Schriftliche Artikelanalyse + begründete Stellungnahme
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3. Wirtschaftspolitik und Stabilisierungsziele
3.1 Konjunkturverlauf, Erklärungsansätze, Konjunkturindikatoren, aktuelle Werte
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Einstiegssituation
Die Auftragsbücher von Polyphon füllen sich in manchen Jahren rasant, in anderen bleiben Bestellungen aus, obwohl sich am Produkt selbst nichts geändert hat. Die Geschäftsführung fragt sich beim Blick auf die Absatzzahlen der letzten zehn Jahre: 'Gibt es hinter diesem Auf und Ab ein wiederkehrendes Muster - und woran könnten wir frühzeitig erkennen, ob ein Aufschwung oder ein Abschwung bevorsteht?'
Der Konjunkturzyklus als wiederkehrender Kreislauf aus Aufschwung, Boom, Abschwung und Tiefphase.
Informationen
Unter Konjunktur versteht man die wellenförmige Schwankung der gesamtwirtschaftlichen Aktivität um ihren langfristigen Wachstumstrend. Ein vollständiger Konjunkturzyklus durchläuft typischerweise die Phasen Aufschwung (Expansion), Hochkonjunktur (Boom), Abschwung (Rezession, bei zwei aufeinanderfolgenden schrumpfenden Quartalen) und Tiefstand (Depression), bevor ein neuer Aufschwung einsetzt.
Zur Erklärung von Konjunkturschwankungen existieren verschiedene theoretische Ansätze: Nachfrageorientierte Erklärungen (z. B. nach Keynes) sehen Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage (Konsum, Investitionen) als Ursache; angebotsorientierte Erklärungen betonen Veränderungen bei Produktionskosten, Innovationen oder Produktionskapazitäten; monetäre Erklärungsansätze (z. B. nach Friedman) sehen Schwankungen in der Geldmenge und den Kreditbedingungen als treibende Kraft.
Zur Messung und Früherkennung der Konjunktur werden Konjunkturindikatoren genutzt: Frühindikatoren (z. B. Auftragseingänge, Geschäftsklimaindex des ifo-Instituts) deuten zukünftige Entwicklungen an, Präsenzindikatoren (z. B. Kapazitätsauslastung) beschreiben die aktuelle Lage, und Spätindikatoren (z. B. Arbeitslosenquote) reagieren erst verzögert auf konjunkturelle Veränderungen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die wichtigste Kennziffer zur rückblickenden Messung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.
Arbeitsaufträge
Zeichnet einen idealtypischen Konjunkturzyklus mit seinen vier Phasen und ordnet jeder Phase ein typisches Merkmal für Auftragslage, Beschäftigung und Investitionsverhalten bei einem Unternehmen wie Polyphon zu. Recherchiert aktuelle Werte für mindestens zwei Konjunkturindikatoren (z. B. ifo-Geschäftsklimaindex, BIP-Wachstum, Arbeitslosenquote) und ordnet die deutsche Konjunktur aktuell einer der vier Phasen zu. Begründet eure Einschätzung. Vergleicht in Kurzform die nachfrageorientierte und die monetäre Erklärung von Konjunkturschwankungen und diskutiert, welcher Ansatz die Absatzschwankungen bei Polyphon eurer Meinung nach besser erklärt. Schaut euch ein Erklärvideo zum Konjunkturzyklus an und bewertet abschließend schriftlich, wie hilfreich dieses Format für euren eigenen Lernfortschritt war.
Erwartetes Arbeitsergebnis
Schaubild (Konjunkturzyklus) + Rechercheergebnis mit aktuellen Daten + schriftlicher Vergleich
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2 Die vier klassischen Phasen des Konjunkturzyklus sind...
Aufschwung, Hochkonjunktur, Abschwung, Tiefstand.
Inflation, Deflation, Stagnation, Rezession.
Import, Export, Produktion, Konsum.
Frühindikator, Präsenzindikator, Spätindikator, Trend.
3. Wirtschaftspolitik und Stabilisierungsziele
3.2 Ziele der Wirtschaftspolitik, magisches Viereck und Sechseck, Zielkonflikte, qualitatives und quantitatives Wachstum, Grenzen des Wachstums, Arten von Arbeitslosigkeit
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Einstiegssituation
In einer Podiumsdiskussion an der Schule sollen vier Gruppen die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung bewerten: Eine Gruppe fordert vor allem niedrige Arbeitslosigkeit, eine andere stabile Preise, eine dritte ein hohes Wirtschaftswachstum und eine vierte einen ausgeglichenen Außenhandel. Schnell wird klar: Was die eine Gruppe fordert, erschwert offenbar das Ziel einer anderen Gruppe. Die Moderatorin fragt: 'Kann der Staat eigentlich alle diese Ziele gleichzeitig erreichen?'
Das magische Viereck der Wirtschaftspolitik
Preisniveaustabilität
Hoher Beschäftigungs-
stand
Wirtschaftswachstum
Außenwirtschaftliches
Gleichgewicht
Das magische Viereck: Alle vier Ziele gleichzeitig vollständig zu erreichen, gelingt in der Praxis kaum – zwischen ihnen bestehen Zielkonflikte.
Informationen
Das 1967 im Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (StWG) verankerte 'magische Viereck' benennt vier zentrale gesamtwirtschaftliche Ziele der Wirtschaftspolitik: Preisniveaustabilität, hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum. Es heißt 'magisch', weil alle vier Ziele gleichzeitig nur schwer vollständig erreichbar sind - zwischen ihnen bestehen häufig Zielkonflikte (z. B. kann ein starkes Wachstum die Preisstabilität gefährden).
In neueren Diskussionen wird das magische Viereck oft um weitere Ziele zum 'magischen Sechseck' erweitert, etwa um eine gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung sowie um den Schutz und die Verbesserung der Umwelt. Dies zeigt, dass sich wirtschaftspolitische Zielsysteme im Zeitverlauf an neue gesellschaftliche Herausforderungen anpassen.
Beim Wirtschaftswachstum unterscheidet man quantitatives Wachstum (reine Zunahme der produzierten Gütermenge, gemessen am BIP) von qualitativem Wachstum, das zusätzlich ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt (z. B. Ressourcenschonung, Lebensqualität). Die Diskussion um 'Grenzen des Wachstums' verweist darauf, dass rein quantitatives Wachstum an ökologische Grenzen (endliche Ressourcen, Klimawandel) stößt.
Beim Beschäftigungsziel wird zwischen verschiedenen Arten von Arbeitslosigkeit unterschieden (konjunkturelle, strukturelle, saisonale, friktionelle Arbeitslosigkeit - vgl. Jahrgangsstufe 11), die jeweils unterschiedliche wirtschaftspolitische Antworten erfordern.
Arbeitsaufträge
Stellt das magische Viereck grafisch dar und erläutert an zwei Beispielen einen konkreten Zielkonflikt zwischen je zwei der vier Ziele - nutzt dafür, wo passend, das Beispiel Polyphon (z. B. Exportwachstum vs. außenwirtschaftliches Gleichgewicht). Erweitert das magische Viereck begründet zu einem magischen Sechseck und diskutiert, ob und warum die von euch ergänzten Ziele heute genauso wichtig sein sollten wie die vier klassischen Ziele. Bereitet eine Fishbowl-Diskussion zur Fragestellung 'Sollte Wirtschaftswachstum in Deutschland weiterhin oberste Priorität haben?' vor und führt sie durch (Innenkreis diskutiert, Außenkreis hört zu und kann Plätze tauschen). Recherchiert aktuelle Wirtschaftsdaten zu den Zielen des magischen Vierecks (Inflationsrate, Arbeitslosenquote, Außenhandelssaldo, BIP-Wachstum) für Deutschland und beurteilt, wie gut die vier Ziele aktuell gleichzeitig erreicht werden.
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2 Die vier Ziele des magischen Vierecks sind...
Preisniveaustabilität, hoher Beschäftigungsstand, außenwirtschaftliches Gleichgewicht, stetiges Wirtschaftswachstum.
Inflation, Deflation, Rezession, Boom.
Import, Export, Sparen, Investieren.
EZB, ESZB, Bundesbank, Eurosystem.
3. Wirtschaftspolitik und Stabilisierungsziele
3.3 Instrumente und Grenzen staatlicher Wirtschaftspolitik: Konjunktur-, Fiskal- und Finanzpolitik
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Einstiegssituation
In einer Rezession bricht auch bei Polyphon der Absatz spürbar ein. In den Nachrichten kündigt die Bundesregierung ein 'Konjunkturprogramm' an: Steuererleichterungen für Unternehmen und zusätzliche staatliche Investitionen in Infrastruktur. Die Geschäftsführung fragt sich, ob und wie ihr das tatsächlich helfen könnte - und ob der Staat mit solchen Maßnahmen nicht auch Risiken eingeht.
Informationen
Fiskalpolitik bezeichnet den gezielten Einsatz staatlicher Einnahmen (v. a. Steuern) und Ausgaben, um gesamtwirtschaftliche Ziele zu erreichen. In einer Rezession kann der Staat antizyklisch handeln, indem er zusätzliche Ausgaben tätigt oder Steuern senkt, um die Nachfrage zu stützen (expansive Fiskalpolitik); in einer Boomphase kann er umgekehrt Ausgaben kürzen oder Steuern erhöhen, um eine Überhitzung zu bremsen (kontraktive Fiskalpolitik).
Finanzpolitik im engeren Sinne befasst sich mit der Gestaltung des Staatshaushalts (Einnahmen, Ausgaben, Verschuldung) und ist eng mit der Fiskalpolitik verzahnt. Wichtige Instrumente sind u. a. öffentliche Investitionsprogramme, Steuersätze und -freibeträge sowie Transferzahlungen (z. B. Kurzarbeitergeld, das Beschäftigung in der Krise sichern soll).
Der staatlichen Wirtschaftspolitik sind jedoch Grenzen gesetzt: Maßnahmen wirken oft zeitverzögert (Erkenntnis-, Entscheidungs- und Wirkungsverzögerung), können zu einer steigenden Staatsverschuldung führen, unterliegen europäischen Vorgaben (z. B. den Verschuldungsgrenzen im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU) und bergen das Risiko von Fehlsteuerungen, wenn die konjunkturelle Lage falsch eingeschätzt wird.
Konjunkturpolitik im engeren Sinne bezeichnet den gezielten Einsatz von Fiskal- und Geldpolitik zur Glättung von Konjunkturschwankungen - sie ergänzt damit die in den vorherigen Lerninhalten behandelte Geldpolitik des Eurosystems um die staatliche, insbesondere nationale Handlungsebene.
Arbeitsaufträge
Erklärt anhand der Einstiegssituation, welche fiskalpolitischen Instrumente die Bundesregierung einsetzt und ob es sich um eine expansive oder kontraktive Fiskalpolitik handelt. Bereitet eine Podiumsdiskussion vor: Sollte der Staat in einer Rezession stärker durch zusätzliche Ausgaben oder eher durch Steuersenkungen gegensteuern? Berücksichtigt dabei auch die Auswirkungen auf die Staatsverschuldung. Erläutert schriftlich mindestens zwei Grenzen staatlicher Wirtschaftspolitik und erklärt, warum eine zeitlich verzögerte Wirkung wirtschaftspolitischer Maßnahmen problematisch sein kann. Recherchiert ein aktuelles Beispiel für ein staatliches Konjunkturprogramm in Deutschland oder der EU und stellt dessen Inhalte sowie die öffentliche Diskussion darüber kurz vor.
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3. Wirtschaftspolitik und Stabilisierungsziele
3.4 Parallelpolitik, antizyklische Fiskalpolitik, Keynes und Friedman, Verstetigungspolitik
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Einstiegssituation
Im Wirtschaftsunterricht geraten zwei Gruppen in eine hitzige Debatte: Die eine Gruppe argumentiert, der Staat müsse in der Krise entschlossen mit zusätzlichen Ausgaben gegensteuern ('Der Staat muss handeln!'), die andere hält dagegen, der Staat solle sich möglichst heraushalten und stattdessen die Geldpolitik wirken lassen ('Der Markt regelt das langfristig selbst, der Staat sollte nur verlässliche Rahmenbedingungen setzen'). Beide berufen sich auf berühmte Ökonomen - offenbar auf sehr unterschiedliche.
Informationen
John Maynard Keynes (1883-1946) vertrat die Auffassung, dass Märkte sich nicht immer von selbst zu einem Gleichgewicht mit Vollbeschäftigung einpendeln und dass der Staat in Krisenzeiten aktiv durch zusätzliche Nachfrage (v. a. staatliche Ausgaben) gegensteuern sollte, um eine Rezession zu überwinden ('deficit spending'). Keynesianische Wirtschaftspolitik ist damit typischerweise antizyklisch und nachfrageorientiert.
Milton Friedman (1912-2006) und der Monetarismus vertraten dagegen die Auffassung, dass Märkte sich langfristig weitgehend selbst regulieren und dass eine zu aktive, diskretionäre staatliche Konjunktursteuerung eher schadet als nützt (u. a. wegen Zeitverzögerungen und der Gefahr von Fehlsteuerungen). Stattdessen plädierte Friedman für eine regelgebundene, verstetigte Geldmengenpolitik mit einem stabilen, moderaten Geldmengenwachstum statt kurzfristigem Gegensteuern.
Verstetigungspolitik bezeichnet allgemein den Versuch, konjunkturelle Schwankungen durch eine antizyklische Fiskal- und/oder Geldpolitik zu glätten, statt sie zu verstärken. Eine sogenannte Parallelpolitik läge hingegen vor, wenn der Staat prozyklisch handelt - also z. B. in einem Boom zusätzlich Geld ausgibt und damit die Konjunkturschwankung eher verstärkt statt dämpft (häufig kritisiert, da wirtschaftspolitisch kontraproduktiv).
Die Debatte zwischen keynesianischen und monetaristischen bzw. angebotsorientierten Ansätzen prägt bis heute wirtschaftspolitische Diskussionen - reale Wirtschaftspolitik kombiniert in der Praxis häufig Elemente beider Denkschulen, je nach konjunktureller Lage und politischer Grundüberzeugung.
Arbeitsaufträge
Stellt die Grundpositionen von Keynes und Friedman in einer Vergleichstabelle gegenüber (Rolle des Staates, bevorzugtes Instrument, Menschenbild/Marktverständnis). Erklärt den Unterschied zwischen antizyklischer Verstetigungspolitik und prozyklischer Parallelpolitik anhand je eines selbst konstruierten Beispiels. Bereitet in zwei Gruppen jeweils ein Statement aus Sicht von Keynes bzw. Friedman zur Frage vor, wie der Staat auf die Absatzkrise bei Polyphon aus der Einstiegssituation von Lerninhalt 3.3 reagieren sollte, und tragt eine kurze Debatte vor der Klasse aus. Erstellt in Gruppen einen Schülervortrag zu einer historischen wirtschaftspolitischen Situation (z. B. New Deal in den USA, deutsche Wirtschaftspolitik der 1970er-Jahre), in der keynesianische oder monetaristische Ansätze eine wichtige Rolle spielten.
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3. Wirtschaftspolitik und Stabilisierungsziele
3.5 Bezug zur Wirtschaftspolitik und Vergleich der Möglichkeiten
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Einstiegssituation
Zum Abschluss des Schuljahres bittet die Geschäftsführung von Polyphon die Auszubildenden um eine kurze, verständliche Einschätzung: Welche wirtschaftspolitischen Instrumente - geldpolitische wie fiskalpolitische - könnten dem Unternehmen in einer künftigen Krise tatsächlich helfen, und welche Grenzen haben diese Instrumente jeweils? Die Auszubildenden sollen dazu alles zusammenfassen, was sie im Laufe des Jahres über Geld, Geldpolitik und Wirtschaftspolitik gelernt haben.
Informationen
Geldpolitik (Eurosystem) und Fiskalpolitik (nationale Regierungen) sind die beiden zentralen Ebenen staatlicher bzw. europäischer Wirtschaftspolitik zur Erreichung gesamtwirtschaftlicher Stabilisierungsziele. Beide Politikbereiche verfolgen teils gemeinsame, teils unterschiedliche Ziele und arbeiten mit unterschiedlichen Instrumenten, Entscheidungsträgern und Zeithorizonten.
Ein zentraler Unterschied liegt in der Zuständigkeit: Geldpolitik wird für den gesamten Euroraum einheitlich vom Eurosystem festgelegt, während Fiskalpolitik in der Verantwortung der einzelnen Mitgliedstaaten liegt (wenngleich europäische Regeln wie der Stabilitäts- und Wachstumspakt Grenzen setzen). Das kann zu Koordinationsproblemen führen, wenn geldpolitische und fiskalpolitische Maßnahmen nicht aufeinander abgestimmt sind.
In der Praxis wirken beide Politikbereiche zusammen: Eine expansive Geldpolitik (niedrige Zinsen) kann durch eine ebenfalls expansive Fiskalpolitik verstärkt werden - oder durch eine restriktive Fiskalpolitik teilweise neutralisiert werden. Für Unternehmen wie Polyphon ist relevant, dass sowohl Zinsentscheidungen der EZB als auch nationale steuer- und ausgabenpolitische Entscheidungen die eigene Geschäftstätigkeit unmittelbar beeinflussen können.
Arbeitsaufträge
Erstellt eine zusammenfassende Übersicht (Tabelle oder Mindmap), die Geldpolitik und Fiskalpolitik hinsichtlich Zuständigkeit, Zielen, wichtigsten Instrumenten und Grenzen vergleicht. Verfasst im Auftrag der Geschäftsführung eine kurze, für Nicht-Fachleute verständliche schriftliche Einschätzung: Welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen könnten Polyphon in einer Krise am ehesten helfen, und wo liegen jeweils die Grenzen? Diskutiert abschließend im Plenum: Welches der beiden Politikfelder - Geldpolitik oder Fiskalpolitik - hielten ihr für wirksamer, um auf wirtschaftliche Krisen zu reagieren, und warum?
Erwartetes Arbeitsergebnis
Vergleichende Übersicht + schriftliche Einschätzung + Abschlussdiskussion
Passende Vorlage(n) für dieses Thema: Vorlage: Schriftliche Ausarbeitung (auch auf der Startseite im Bereich „Vorlagen" zu finden)
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